….über die Hundeahnen

Angefangen hat alles zu Beginn des Jahres 2017. Meine eigenen Ahnen waren ausgeforscht und ich kam auf die Idee, für Bubis Vorfahren eine neue Datei im Ahnenprogramm anzulegen. Zunächst gab ich die Namen, Daten und Züchter seiner Eltern, Großeltern und Urgroßeltern ein, die im Ahnenpass aufgeführt waren.

Ich war vollkommen ahnungslos, wohin mich diese harmlose Sonntagnachmittagsbeschäftigung führen sollte………

Ich stieß auf Pudel- und Labradordatenbanken im Internet, völlig unterschiedlich in Umfang und Qualität und begann mich so, für die Hintergründe dieser beiden Rassen zu interessieren. Ich kaufte alte Bücher und Hundezeitschriften, vertiefte mich in die Zuchtgeschichte und suchte parallel immer nach weiteren Vorfahren. Manchmal fand ich sogar Bilder von Bubis Ahnen oder es entstand ein sehr netter E-Mail-Kontakt zur Besitzerin von Bubis Ur-Ur-Oma Georgie in Österreich, die im Sommer 2019 fit und vital ihren 10. Geburtstag feierte (Georgie, nicht Bianca)…

Und es trieb mich immer weiter und tiefer in den vielfältigen und vermeintlich undurchdringlichen Dschungel der Hundezucht und der Familiengeschichte unseres temperamentvollen Lockenkopfes. Jeder Fund brachte neue Fragen mit sich…

Ich lernte, dass es viele Jahrzehnte lang völlig normal war, Linienzucht oder familiäre Inzucht bei Hunden zu betreiben in der Hoffnung dem von den Verbänden vorgegebenen Rassestandard immer perfekter zu entsprechen. Dass dabei Wesen, Gesundheit und Langlebigkeit der Tiere bei einem immer enger werdenden Gen-Pool innerhalb der geschlossenen Zuchtbücher auf der Strecke blieben. Dass sich in den 1990ern engagierte Pudel-Züchter zusammentaten um die genetische Vielfalt innerhalb der Rasse zu erhalten.

In Hundeforen fand ich nur wenige Hinweise zu den Hundeahnen, allerdings merkte ich schnell, dass Hundezucht ein vielfältig vermintes Gelände ist. Neid und Misgunst, berechtigt oder unberechtigt, anspruchsvolle Züchter, Dumpfbacken, Händler und Hinterhofvermehrer und eine Menge übler Nachrede, ein gefährliches Terrain……

Ich stieß bei meiner Rechreche auf rührende Geschichten, auf Drama, Tod und Mord. Auf die Labradorzüchterin Gwen Broadley, die knapp 70 Jahre lang gezüchtet hat (Sandylands), auf Ann Rawlinson in England, die in den 1950ern „kennel maid“ im renomiertesten britsichen Pudelzwinger „Vulcan“ war und bis heute züchtet.

Ein ganzes Panorama des 20. Jahrhunderts entfaltet sich vor den eigenen Augen und der eigenen Vorstellungskraft, ein Panoptikum verschiednester Persönlickeiten und Unbekanntheiten der Zeitgeschichte, Promis, Adelige, Unternehmer, Ärzte, Kulturschaffende aber auch Hafenarbeiter, Kneipenbesitzer und Bürogehilfen, es ist einfach unglaublich, wie sich die ganze Welt anhand der Züchter von Bubis Vorfahren vor einem ausbreitet….

Wirklich: Fast die ganze Welt. Bubis Vorfahren stammen (Liste unvollständig) aus Deutschland und der DDR, den deutschen Ostgebieten Posen, Pommern, Schlesien, aus Holland und Belgien, England, Schottland und Wales, aus Irland und Alaska, aus den USA und Kanada, aus Argentinien, Australien und Neuseeland, aus Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland, aus Russland, CSSR und Ungarn, Östereich und der Schweiz, aus Italien, Frankreich und Spanien und und und….

Momentan sind rund 7.600 verschiedene Labrador-Vorfahren (inklusive der Flat-Coated-Retriever der 1860er und -70er) und über 16.400 unterschiedliche Pudel-Vorfahren (inklusive der Klein- Zwerg- und Toy-Pudel) namentlich bekannt. Die Datenlage ist bezüglich Geburtsdaten und Züchter-/Halterangeben bei den Pudeln augenblicklich bedeutend besser. Aktueller Forschungsschwerpunkt sind seit einigen Monaten die Züchter, insbesondere der Pudel des 20. Jahrhunderts.

Es gäbe noch soo viele Geschichten zu berichten von Hunden, von Menschen, von Ereignissen. Aber hier ist nicht der Platz dafür. Hoffentlich finde ich zu einem späteren Zeitpunkt eine Möglichkeit, all die hochspannenden und erfüllenden Erkenntnisse aus meiner „Pudelforschung“ aufzuarbeiten und zu veröffentlichen.

Bubi drängelt, er will mal wieder raus, pesen, schnüffeln und für meine Fitness sorgen. Und danach geht es wieder zurück in die Hundehistorie. Gerade beiße ich mir die Zähne an den Lebensdaten zweier Pudelzüchter der 1920er Jahre in Philadelphia, Pennsylvania/USA, aus… es gibt noch soo viel zu erforschen…… 🙂